Königsweg, der ideale Weg zu einem hohen Ziel (Duden)

Königsweg

Ich schweife ab. Schon in der Suche nach dem Anfang halte ich mich nicht an die geraden Linien. Dabei bin ich der Meinung, dass der direkte Weg der beste sei – zumindest für die grossen und wichtigen Dinge. Der Königsweg sozusagen. Etwas grosses und wichtiges ist einfach und klar. Und hier ist sie schon, die erste Ungereimtheit, die mich zwingt abzuschweifen. Ist der direkte Weg auch der einfache? Und ergäbe das den idealen Weg zum hohen Ziel, wie der Duden in seiner Bedeutungsübersicht zu Königsweg schreibt? Und der schnelle Weg? Aber das wäre eine weitere Abschweifung, denn um Schnelligkeit geht es im Moment nun wirklich nicht. Es geht nicht um Effizienz sondern um den Königsweg. Es spielt nicht einmal eine grosse Rolle in welcher Disziplin. Den Königsweg gilt es in jeder Disziplin anzustreben. Das sage ich mir zumindest – immer wieder auch leicht scheltend – wenn ich abschweife.

Das ist mein erster Blog, hier, für die Engadiner Post/Posta Ladina, ja mein erster Blog überhaupt. Ich weiss noch nicht, ob ich als Bloggerin tauge. Es geht dabei ja darum, ohne Umschweife, aus meiner Warte heraus zu schreiben, oder sogar über mich. Ich bin jemand, der viel schreibt im Leben, das schon. So ganz offensichtlich über mich schreibe ich dennoch selten. Nun denn, genug abgeschweift. Ich übe mich im bloggen und schreibe von mir. Mein wichtigstes und bestes äusseres Erscheinungsmerkmal in diesen Breitengraden ist meine Hautfarbe. Ich bin nicht weiss, aber eben auch nicht schwarz. Das ist nicht weiter schlimm, im Gegenteil. Die meisten Dinge, die mir geschehen, oder die ich tue liegen irgendwo dazwischen. Ich muss nicht so viel dafür tun in einer Gruppe herauszustechen und in Erinnerung zu bleiben. Das hingegen ist gut und schlecht. In meinem Beruf ist es eher gut. Über alle weiteren und komplexeren Dinge, die damit einhergehen zu schreiben, würde hier wohl zu weit gehen. Die Durchmischung der abendländischen Gesellschaft und dessen Folgen auf allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen, die Auseinandersetzung mit der Identität und alles, was damit einhergeht würden eine Abschweifung ohnegleichen bedeuten. Man muss ja nicht immer gleich selbst- und gesellschaftskritisch sein. Obwohl - ? Aber eben. Erst einmal übe ich weiter.

Ich bin ich eine Person, wie viele andere auch, mit einem Privatleben und ca. 1.7 Jobs. Was das Privatleben betrifft habe ich einen Zivilstand und Hobbys und so weiter (s. Textchen zur Autorin dieses Blogs). Was die Jobs betrifft, nenne ich mich hie und da Kulturmanagerin in Mangel einer besseren Bezeichnung für das, was ich tue. Denn die Frage, ob es wirklich die Kultur ist, die ich manage, oder doch eher alles, was um sie herum geschieht, stellt sich schon. Die Kultur wäre dann das, was im Auge des Orkans ist und wird. Und ich wäre die Orkanmanagerin. Wenn es nicht so umständlich wäre, das jedes Mal herzuleiten um nicht mit einer Meteorologin verwechselt zu werden, würde mir diese Bezeichnung sehr viel besser gefallen. Nur schon wegen dieses Wortes. Orkan. Das klingt. Das reimt sich mit spontan und lontan, romanisch für weit, weit weg. Wie dem auch sei, jetzt manage ich gar nichts, jetzt schreibe ich. Und zwar dies hier: Ptolemaios fragte Euklid ob es einen kurzen, einfachen Weg gebe zur Geometrie, worauf dieser geantwortet haben soll, es gebe keinen Königsweg, der von dem, was man erfahren will, hin zum Resultat führt, keinen geraden, wie die Strassen für den Grosskönig, von einem Landesteil zum anderen.

Die Unterhaltung der beiden war sicher nicht genau diese, das macht aber nichts. Wichtig ist, dass es den Königsweg in der Geometrie nicht gibt. Mich beruhigt das, sei das jetzt obwohl oder weil ich eine Person bin, die sich als mathematisch nicht sehr beflissen einschätzt. Ich schliesse daraus, dass ich mich auch damit begnügen kann sie erst einmal zu finden, anstatt sie selbst zu erlangen, die Einfachheit, die Klarheit der Dinge, und dass ich das auch auf Umwegen tun kann. Und so schweife ich jetzt nicht weiter ab, sondern geniesse sie ohne Umschweife, Pascal Gambonis Lieder, Hilde Domins Gedichtzeilen und Tadashi Endos Tanz.

Gianna Olinda Cadonau

Gianna Olinda Cadonau (*1983) befasst mich mit Kunst und Kultur. Die romanische fördert sie als Kulturverantwortliche bei der Lia Rumantscha, die Graubündnerische als Mitglied der kantonalen Kulturkommission und diejenige für die kleine Bühne als Co-Leiterin des Kulturorts La Vouta, Lavin. Schreibend, singend und Butoh tanzend gibt sie sich ihr auch selbst immer wieder hin. Zwischendurch und währenddessen lebt sie mit ihrer Familie in Chur.

Foto: Yanik Bürkli, Bündner Tagblatt

 

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1 Kommentare

Mo Güttinger

08. August 2017

Ich könnte mir vorstelllen, dass man erst wenn man am Ziel, welches das auch immer sein will, angelangt ist, erkennt, ob man den Königsweg gewählt hat oder nicht. In meiner erlebnispädagogischen Ausbildung habe ich gelernt, dass wir nie Zeit hatten für Abkürzungen. Vermutlich geht es also beim Königsweg nicht um Direktheit oder Schnelligkeit. Eventuell eher um Aufrichtigkeit, Echtheit oder so was in der Art? Um das fokussiert bleiben und vielleicht sogar um's Fehler machen. Drei Anläufe hat man ja immer, so zumindest erzählen es und die Märchen. Und mit Glück und Dummheit und viel Hilfe, auch wenn wir diese kaum verdient haben, erreichen wir vielleicht am Ende die Königswürde. Ob es die wohl auch für Frauen gibt?