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Ernährung im Sport - ein weit umstrittenes Thema

Auch wenn es sich hierbei um ein 0815 Thema handelt, wird man als Sportler immer wieder mit diesem Thema konfrontiert. Ich bin keinesfalls Ernährungsberaterin, Expertin oder sonst irgendwas. Daher möchte ich keine Theorien aufgreifen oder Empfehlungen aussprechen. Ich möchte lediglich aus meiner Sicht als Athletin ein paar Gedanken und Erfahrungen teilen.

Die Ernährung ist ein sehr breites und umstrittenes Thema. Es gib unzählige Bücher, Theorien und Meinungen darüber. Ich selbst glaube, dass es kein richtig oder falsch gibt. Denn auch hier ist jeder Mensch anders und die Ernährung muss auf den Einzelnen abgestimmt sein. Auch bei der Auswahl der Lebensmittel denke ich, dass es kein gesund oder ungesund gibt. Massgebend ist die Menge. Die Frage ist: Was esse ich wann und in welcher Menge?

Mein Körper ist mein Kapital und so ist es wichtig, dass ich ihn immer gut versorge. Grundsätzlich ist es wie bei einem Auto, wenn der Tank leer, ist fährt es auch nicht mehr. Daher ist es in erster Linie wichtig, dass ich immer genug Energie zuführe. Und um die Metapher weiter auszuführen: In einem Sportwagen tankt man auch nicht das billigste Benzin.

Bei so viel Training und Bewegung brauche ich keine Angst zu haben, dass ich die Kalorien nicht verbrennen kann. Im Gegenteil, ich muss schauen, dass ich genügend «Treibstoff» zu mir nehmen kann und nicht in ein Defizit falle. Ein Defizit, ein leerer Tank, fordert vom Körper sehr viel Energie und soll möglichst vermieden werden. Das spüren wir, wenn wir in ein Hungerloch, auch Hungerast genannt, fallen.

Oft kommt bei mir die Frage, ob ich denn überhaupt alles essen kann. Natürlich kann ich das! Es gibt, ausser Pilzen und Artischocken, nicht wirklich etwas was ich nicht mag und nicht esse. Es kommt eben auf den Zeitpunkt und auf die Menge darauf an. Selbstverständlich habe ich gewisse Rituale und esse beispielsweise vor den Wettkämpfen immer dasselbe. Während viele auf Milchprodukte und eher schwer verdauliche Lebensmittel verzichten, macht mir das nicht viel aus. Ich vertraue auf Haferflocken, meistens mit warmem Wasser aufgekocht, Joghurt, Früchte und Honig. Dabei darf ein guter Kaffee auch nicht fehlen. Das Essen vor einem Wettkampf wird zu einer Gewohnheit und so verzichte ich dort lieber auf Experimente, weil ich weiss was für mich funktioniert. Als Sportlerin ist man oft im Ausland unterwegs und kann nicht immer darauf vertrauen, dass einem das gewohnte Frühstück zur Auswahl steht. Deswegen nehme ich mein Frühstück meistens selbst mit oder besorge mir die Lebensmittel im Vorfeld direkt vor Ort. Gerade im Ausland bin ich beispielsweise auch mit Fleisch etwas vorsichtiger. Ich bin mir von zuhause aus gewohnt, dass wir hochwertiges und regionales Fleisch haben, wo mir die Herkunft auch bekannt ist. Daher verzichte ich im Ausland auch oftmals auf Fleisch. Mit den Kohlenhydraten bin ich nicht wählerisch. Bei intensiven Trainingsphasen oder Wettkämpfen schätze ich möglichst unverarbeitete Kohlenhydrate wie Kartoffeln oder Reis. Aber auch Pasta wird immer fleissig gegessen. Süssigkeiten sind bei mir ebenfalls ein fester Bestandteil. Ich sehe es schlichtweg nicht ein, wieso ich darauf verzichten sollte. Auch hier, vor allem während der intensiven Wettkampfphase, mit Mass. Der einfache Grund dafür ist, dass mir der viele Zucker gefühlsmässig viel Energie raubt, welche ich mir für die Wettkämpfe aufsparen möchte. Ansonsten bin ich der Meinung, dass vom Körper jeweils das zurückkommt, was ihm gegeben wird.

Ich koche und experimentiere auch sehr gerne. So teste ich auch gerne einmal neue Essenskulturen aus und bin hier sehr offen. Ob Pizza, Paella oder Wienerschnitzel, das mag ich alles sehr gerne. Ob das jetzt gerade gute Beispiele für Essenskulturen waren, weiss ich nicht. Aber ich will damit nur sagen, dass ich auch hier die Vielfalt mag. Ansonsten bin ich ehrlich gesagt kein Freund von diesen neu aufkommenden Trends. Damit meine ich diese Quinoa, Tofu und Kokoswasser, «healthy food» Geschichten. Ich habe nichts gegen die einzelnen Lebensmittel, denn ich mag alle sehr gerne. Mit der Art und Weise der Vermarktung habe ich aber teilweise etwas Mühe. Ob man jetzt «gesünder» lebt, weil man diese Trends befolgt und sich nur noch so ernährt, wage ich zu bezweifeln. Es ist fast schon angsteinflössend, wie viel Einfluss hier genommen werden kann.

Generell denke ich, dass es das Beste ist, normal zu essen. Dabei ist normal zugegeben schwierig zu definieren. Ich weiss, dass eine angepasste und gute Ernährung im Spitzensport ein wichtiger Bestandteil ist. Auch schaue ich, dass ich meinem Körper die richtigen Lebensmittel mit den nötigen Inhaltsstoffen zuführe, ihn mit genügend Energie versorge und auch genug Flüssigkeit zu mir nehme. Mir ist bewusst, dass mit der normalen Ernährung meinem Körper zu wenig Vitalstoffe zugeführt werden. So vertraue ich auch auf sinnvolle und natürliche Ergänzungsmittel. Trotz allem gilt für mich der Grundsatz: Essen ist ein Genuss und das soll es auch immer bleiben.

Fabiana Wieser

Fabiana Wieser ist 23 Jahre alt und gebürtige Unterengadinerin. Sport war schon immer meine grosse Leidenschaft. Zu Beginn war sie oft auf den Skipisten unterwegs, bis sie schliesslich ihre Passion zum Ausdauersport, aber insbesondere zum Langlaufsport, entdeckte. Sie absolvierte das Gymnasium am Hochalpinen Institut in Ftan absolviert und hat in dieser Zeit unter anderem die Spitzensport RS in Magglingen absolviert. Während vier Jahren war sie im Kader von Swiss-Ski, für diese Wintersaison nicht mehr. Sie trainiert nun selbständig und hat sich dazu entschieden, das Tourismusstudium an der HFT Graubünden in Samedan zu absolvieren.

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