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Einfluss der portugiesischen Sprache und Kultur im Engadin

Als Engadiner Rapper, der die rätoromanische Sprache ins Unterland bringt, erachte und gebrauche ich diese als essentielles Werkzeug, um meine Emotionen und Gedanken in Lieder zu transformieren. Die rätoromanische Sprache - wie alle anderen Sprachen auch - ist einem stetigen Wandel unterworfen. Da verschiedene Einflüsse wie beispielsweise die Migration, Medien, Kultur etc. die Sprache fortwährend neu formen, sprechen wir, obwohl wir die gleiche Sprache sprechen, nicht immer die gleiche Sprache untereinander. Im heutigen Blog möchte ich mich der Migration widmen. Genauer, dem Einfluss der portugiesischen Sprache im Engadin, der aus dieser Einwanderung entkeimt.

Die Portugiesen sind für unsere Region von grosser Bedeutung: Die Gastronomie und die Baubranche würden ohne sie gar nicht mehr funktionieren. In den Medien wird dieses Migrations-Phänomen ausgiebig thematisiert. Darüber hinaus hat sich auch das Bundesamt für Migration mit den Portugiesen befasst. Im Jahre 2010 veröffentliche das BFM eine interessante Studie mit dem Titel «Die portugiesische Bevölkerung in der Schweiz». Obwohl fast 200'000 portugiesische Personen (heute 262'000) im Jahr 2010 etwa 12 Prozent der ausländischen Bevölkerung ausmachten und somit den dritten Rang der in der Schweiz lebenden ausländischen Bevölkerungsgruppen belegten, war bis zur Publikation dieser Studie wenig über die Portugiesen bekannt. Das Ziel dieser Studie bestand darin, wesentliche Informationen über diese Migrationsgruppe, über die Migrationsgeschichte sowie die Entwicklung und die Integration zusammenzufassen.

Im Engadin ist der Anteil dieser Migrantengruppe sogar noch höher, welcher anhand der wirtschaftlichen Bedeutung des Gastgewerbes erklärt werden kann. Neben der sprachlichen Vielfalt existiert auch eine kulturelle Vielfalt, die zu managen ist und unter dem Begriff Diversity Management zusammengefasst werden kann. Ein Betrieb wie beispielsweise ein Hotel in Scuol mit einem Koch aus Italien, einer Rezeptionistin aus Deutschland, einem Casserolier aus Indien und einem Zimmermädchen aus Portugal, wäre ein Beispiel für solch eine kulturelle Vielfalt.

Die sprachliche Ähnlichkeit der Mutter- und Zweitsprache erleichtert es zudem den Zuwanderern, sich besser an die kulturellen Gegebenheiten der Region anzupassen und nimmt somit eine integrationsfördernde Rolle ein. Manche Journalisten gehen sogar noch einen Schritt weiter und behaupten, dass das Rätoromanische dank oder nur wegen den Portugiesen im Engadin weiter existieren könne. Somit kann zusammenfassend gesagt werden, dass viele Betriebe im Engadin ohne die Portugiesen gar nicht funktionieren könnten und dass sich die sprachliche Ähnlichkeit positiv auf unser Rumantsch auswirkt. Darüber hinaus nehmen immer mehr Portugiesen die hiesigen Gewohnheiten an. Dies zeigen sie als begeisterte Mountainbiker, passionierte Bergsteiger oder ambitionierte Snowboarder aus Portugal.

SNOOK (Gino Clavuot)

Der 30-jährige Engadiner gilt als Pionier des mehrsprachigen Raps in der Schweiz und als Brückenbauer zwischen den Landesteilen. Geschickt bedient er sich in seinen Songs aller vier Landessprachen, und jede von ihnen spricht Snook fliessend. Eine «Integrationsfigur» nannte ihn deshalb der «Spiegel», das grösste Nachrichtenmagazin Europas, welches Snook einen ganzen Artikel widmete.

snook-rap.ch/

mx3.ch/Snook

 

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2 Kommentare

Veronika Bernardis

06. August 2016

als Heimwehschweizerin lese ich gerne solch lokale Berichte . Mein Mann und ich reisten vor 8 Wochen nach Santa Maria via Zernez ... unvergessbar !


Carlos Coelho

28. April 2016

Ich bin stolz auf dich, Gino