Foto: Cla Mosca

Erfolg reflektiert oder warum ich Weltmeister bin

In meinen Zwanzigern fragte ich mich oft, ob mein Vater wohl stolz auf mich wäre. Ich war im Januar gerade Snowboardweltmeister im Riesenslalom geworden und sogenannt erfolgreich. Mein Vater allerdings hat das nicht miterlebt. Er ist 1979 einem tödlichen Autounfall erlegen. Irgendwie ein schöner Tod. Und gleichzeitig ein einschneidendes Erlebnis für mein weiteres Leben.

Wäre ich ohne den Verlust meines Vaters auch Weltmeister geworden? Oder war der Verlust der unbewusste Preis, welcher die Weichen in meinem Leben auf Erfolg gestellt hat? Ich habe einmal meine Mutter gefragt, was mit mir passiert sei, als mein Vater gestorben ist. Sie hat mir ohne Umschweife geantwortet: «Du bist erwachsen geworden!» Vielleicht lag gerade in diesem Erwachsenwerden der Schlüssel zum Erfolg. Ich lernte für mich selbst zu sorgen, Verantwortung für meine Geschwister zu übernehmen und zu entscheiden. Ich wollte perfekt sein, es allen recht machen, strengte mich an und war stark.

Doch was ist schon Erfolg? Objektiv betrachtet, ist Erfolg einfach die Folge von etwas. Insofern ist jeder Mensch höchst erfolgreich. Und mir persönlich ging es nach dem Weltmeistertitel schlecht. Der Titel warf viele essentielle Fragen über Sinn und Unsinn des Lebens in mir auf. Aber: Er war Ursprung einer vertieften persönlichen Entwicklung.

Heute, 23 Jahre später sehe ich vieles klarer. Mein Bruder meinte einmal lapidar: «Vielleicht ist Vater aus Liebe gegangen, damit wir uns so entwickeln konnten!» Eine Hypothese, wie vieles in unseren Leben. Die Liebe allerdings bildet das Fundament meines Seins und Tuns. Freiheit, Kreativität, Leidenschaft und Durchhaltewillen sind andere Werte, welche meinem Leben eine bestimmte Richtung geben.

Der Erfolgsfaktor Nummer eins jedoch, die Basis, um überhaupt erfolgreich zu sein, ist und bleibt Präsenz. In ihr liegt die Magie des Lebens verborgen.

Liebe Leserin, lieber Leser, wie präsent sind Sie in Ihrem Leben? Oder gehören Sie zu den Menschen, die zwar physisch anwesend, aber im Automodus unterwegs sind?

Cla Mosca

Cla Mosca ist 47 Jahre jung, verheiratet und Vater von zwei ganzen und zwei halben Kindern. Seit August 2011 lebt er wieder in Scuol. Die Rückkehr an seinen Geburtsort bedeutet für ihn ein Zurück zum Ursprung. Sein vor Tun. Weniger ist mehr. Qualität vor Quantität. Cla Mosca gehört zu den Snowboardpionieren in der Schweiz. Er arbeitet heute als Impulsgeber für nationale und internationale Unternehmen. Als Coach Trainer und Berater schafft er Rahmenbedingungen, damit Menschen und Organisationen sich gesund entwickeln und erfolgreich sein können. Darüber hinaus unterstützt er Nachwuchs- und Spitzensportler auf ihrem Weg zu persönlichen Bestleistungen und Olympiaden.

clamosca.ch

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2 Kommentare

Cla Mosca

22. März 2016

Chara Karin

bitte gern geschehen. Es gibt dazu ein schönes englisches Sprichwort: "The past is history, the future is a mistery and this moment is a gift. That`s why we call it the present!"

 

Leben auf den Punkt gebracht.

 

Herausfordernd ist neu für mich, oft höre ich irritierend ;-)

 

Cordials salüds

 

Cla


Karin Andrea Stephan

22. März 2016

Lieber Cla,

vielen Dank für diesen ehrlichen und berührenden Beitrag! Es geht im Leben oft nicht um die Richtigkeit einer Entscheidung, ob man jetzt rechts oder links abbiegt.

Aber wach und präsent zu bleiben für die Dinge, die links und rechts auf dem Lebensweg passieren, zählt.

Bleiben Sie eine herausfordernde Persönlichkeit:-)

Herzliche Grüße

Karin A. Stephan