Foto: Alexandra Wohlgensinger

Die harte Kehrseite der Medaille

"Ja der Beat Feuz ist noch gut gefahren, aber der Rest der Schweizer hat mal wieder nichts geholt." Wie schnell ist dieser Satz nach einem Rennen gesagt - sei es am Stammtisch oder im Radio. Ja Erfolge werden bejubelt. "Wir haben an den Olympischen Spielen eine Goldmedaille geholt!" "Wir haben gewonnen!" Ist ein Sportler erfolgreich, jubelt die ganze Nation. Ist er oder sie es nicht - wird er vielleicht höchstens noch mit dem eingangs erwähnten Satz erwähnt. Was es aber für eine Sportsperson heisst, wenn sie beim Wettkampf nicht ihr volles Potential ausschöpfen kann, das ist den Wenigsten bewusst.

 

Profisportler zu sein ist lässig! Man kann die ganze Zeit etwas Sport machen, kommt damit erst noch ist Rampenlicht und verdient mit seiner Leidenschaft auch noch ganz viel Geld. Schön wärs. Die meisten Profis haben von Klein auf nichts anderes gemacht, als Ski-, Rad- oder was auch immer zu fahren. Sie opfern ihre gesamte Freizeit, haben oft kaum Zeit für Freunde oder Familie, gehen mit ihren Körpern beim härtesten Kardio- oder Krafttraining an und über die Grenze und geben meist ihr gesamtes, weniges Geld für den Sport aus. Neben dem Sport bleibt nicht viel Übrig! Und wenn es dann an einem Wettkampf nicht so läuft, wie die Sportsperson könnte, dann ist das unglaublich enttäuschend, teilweise sogar herzzerreissend. "Ich investiere alles - und nun war wieder nix." Die Frage, warum man sich das alles antut, kommt gerad dann immer wieder auf. Die Wenigsten realisieren wohl wieviel Herzschmerz ein Sportler in seiner Karriere hinnehmen musste, um an die Spitze zu kommen. Gerade wenn eine Niederlage der anderen folgt braucht es eine unglaubliche mentale Stärke, nicht alles hinzuwerfen.

 

 

Genau hier aber liegt der Schlüssel zum Erfolg. Ein Mensch lernt wenig von einem Sieg, aber umso mehr von seinen Niederlagen. "Hinfallen, aufstehen, Dreck abwischen, Krönchen richten und weitergehen." Eine gute Sportsperson nimmt nach der ersten groben Enttäuschung die Niederlage hin, analysiert was falsch gelaufen ist und fokussiert sich auf das Kommende. Eine Enttäuschung spornt dich an noch mehr und noch härter zu trainieren und an dir zu arbeiten. Noch mehr Niederlagen werden folgen - diese sind jedoch nur Stufen, die dich irgendwann aufs Treppchen führen. Und wenn wir dann überwältigt vor Glück da oben stehen, dann wissen wir, wieso wir damals das Handtuch nicht geworfen haben.

 

 

 

Alexandra Wohlgensinger

«Riding bikes is my life! Du bist mit Deiner ganzen Aufmerksamkeit nur hier und genau in diesem Moment, in dieser einen Sekunde. Alles was gestern war oder später sein wird, ist völlig egal.»

Nachdem ich mir einen Traum erfüllt habe und zwei Jahre lang mit meinem Bike durch die Welt gereist bin, kam ich wieder zurück ins Engadin, um mich auf meine Rennkarriere zu fokussieren.

Letzte Saison hatte ich genügend Punkte um beim UCI Downhill Weltcup mitzufahren. Sich zum ersten Mal mit den besten Downhillerinnen der Welt war eine unglaubliche Erfahrung.

Um dieses Jahr im Weltcup voll durchzustarten und mich voll auf die Rennen konzentrieren zu können, habe ich meine Stelle als Redaktorin bei der Engadiner Post aufgegeben. Gemeinsam mit Katze «Luna» und meinem Freund, der mich als Mechaniker, Coach und Männchen-für-alles» unersetzlich bei den Rennen unterstützt, lebe und trainiere ich in Sta. Maria im Val Müstair.

Und wenn wir mit unserem Van «Verity» nicht gerade an einem Rennen oder im Training irgendwo in Europa sind, dann findet man uns ziemlich sicher in unserer so-quasi Zweitheimat Neuseeland.

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