Das liebste Sportgerät im Fitnesstraining: die Langhantel. Foto: Alexandra Wohlgensinger

Die Sache mit der Motivation

Na, ist es Ihnen auch schon mal passiert? Voller Motivation und mit ganz vielen guten Vorsätzen sind Sie Anfangs Januar zum nächst gelegenen Fitnesstempel stolziert und haben sich ein Jahresabo gelöst. Schliesslich meinten Sie es dieses Jahr wirklich, wirklich ernst und haben den Pfunden nun ehrlich den Kampf angesagt. Und dann... ein, oder wenn Sie es wirklich, wirklich ernst meinten vielleicht auch zwei Monate später grunzt der innere Schweinehund wieder soooooo laut, respektive bellt er, dass das Sofa soooo viel bequemer ist, als diese blöde Bench oder der Stepper im Gym. Und voilà sind die guten Vorsätze im Fitnesscenter wieder passé und anstatt dem Gewicht Ihres Körpers, hat sich nur jenes Ihres Geldbeutels verringert.

Und trotzdem gibt es sie, diese Personen, die es durchhalten und ihre Körper zwölf Monate im Jahr stählen. Oder solche, mich inklusive, die zumindest in der Off-Season mehr Zeit im Gym als zu Hause verbringen. Immer wieder fragen mich Menschen, woher ich denn die Disziplin habe. In meinem Fall ist es das Wissen, dass ich dann in der nächsten Saison mehr Spass auf dem Fahrrad habe und so hoffentlich auch schneller unterwegs sein werde. Ganz ehrlich, wenn ich am Abend mit der Arbeit fertig bin, würde ich am liebsten auch nach Hause gehen und gemütlich etwas Netflix schauen. Aber nein, ich stresse fast täglich entweder in die Crossfit-Box oder ins Fitnesscenter. Und wenn nicht, dann gibt es auch für mich eine Netflix-Session, aber dann nicht auf dem Sofa, sondern auf dem Indoor-Fahrrad um an meiner Basiskondition zu arbeiten. 

 

Lust habe ich dazu selten - ok, eigentlich fast nie. Aber das hinterfrage ich gar nicht. Lust oder nicht, ich habe meinen Plan und daran halte ich mich. Fertig! Denn wenn ich einmal beginne nach dem Lustprinzip zu handeln, dann kommt es definitiv zu der Situation, die ich Anfangs beschrieben habe. Dann ärgere ich mich umso mehr im Frühling, wenn alle anderen so schön fit und schnell sind. Und ehrlich, wenn ich dann mal umgezogen bin und mit dem Training angefangen habe, dann macht es mir Spass – so richtig Spass.

Wobei wir grad beim nächsten Punkt sind. Dass das Training keine Eintagsfliege bleibt, muss es Spass machen. Und das ist ja genau das Tolle. Heutzutage sind die Angebote in den Gyms riesig. Ich, beispielsweise, liebe Gewichte heben. Freigewichte, sprich Langhanteln, Kettlebells oder Kurzhanteln. Und ich liebe das Kompetitive und die persönliche Herausforderung beim Crossfit. Beim Anblick aber von Stepper und Co. oder den geführten Kraftgeräten geht mir auf Schweizerdeutsch gesagt sofort «dä Lada aba». Und wenn ich die motivierende Musik einer Bauch,Beine Po- oder Spinning-Klasse höre, dann ergreife ich auf der Stelle die Flucht. Das musste ich aber auch erst einmal herausfinden. Auch ich stolperte in Aerobic-Stunden über meine Füsse und langweilte mich auf den Steppern zu Tode. Es gibt für jeden etwas. Finden Sie was Ihnen Spass macht und dann halten Sie sich daran. Bestimmen Sie, an welchen Tagen Sie was machen möchten und machen Sie es, egal ob Lust oder nicht.  

 

Und der letzte Schritt weg von der Gym Eintagsfliege: Setzen Sie sich ein Ziel. Und damit meine ich nicht nur: «Ich möchte 10 Kilos abnehmen». Gewichtsreduktion alleine ist meiner Meinung nach nicht wirklich ein langfristiges, motivierendes Ziel. Nein, suchen Sie sich ein richtig lässiges Ziel. Endlich einmal fit genug sein um beim Engadin Marathon mitmachen, beim Biken mit der überfitten Kollegin mithalten können oder sogar schneller sein – was es auch immer ist – etwas, worauf sie aufbauen und sich wieder neue Ziele setzen können.

Sei es dann das Erreichen dieser gesetzten Ziele, oder einfach nur der Weg, sprich die Genugtuung, nach dem Training, das macht extrem Freude und dann kann man immer wieder ganz schön stolz auf sich sein.

 

Alexandra Wohlgensinger

«Riding bikes is my life! Du bist mit Deiner ganzen Aufmerksamkeit nur hier und genau in diesem Moment, in dieser einen Sekunde. Alles was gestern war oder später sein wird, ist völlig egal.»

Nachdem ich mir einen Traum erfüllt habe und zwei Jahre lang mit meinem Bike durch die Welt gereist bin, kam ich wieder zurück ins Engadin, um mich auf meine Rennkarriere zu fokussieren.

Letzte Saison hatte ich genügend Punkte um beim UCI Downhill Weltcup mitzufahren. Sich zum ersten Mal mit den besten Downhillerinnen der Welt war eine unglaubliche Erfahrung.

Um dieses Jahr im Weltcup voll durchzustarten und mich voll auf die Rennen konzentrieren zu können, habe ich meine Stelle als Redaktorin bei der Engadiner Post aufgegeben. Gemeinsam mit Katze «Luna» und meinem Freund, der mich als Mechaniker, Coach und Männchen-für-alles» unersetzlich bei den Rennen unterstützt, lebe und trainiere ich in Sta. Maria im Val Müstair.

Und wenn wir mit unserem Van «Verity» nicht gerade an einem Rennen oder im Training irgendwo in Europa sind, dann findet man uns ziemlich sicher in unserer so-quasi Zweitheimat Neuseeland.

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