Mensch jagt Hund jagt Dachs

Mein Hund Aaron hält unsere Familien seit über 10 Jahren auf Trab. Als kleinen Welpen haben wir ihn im Juni 2009 bei uns aufgenommen. Seitdem verhält er sich manchmal wie eine Katze – und bringt Mäuse nach Hause, oder wie ein Vogel – und versucht – angeleint – von unserem Balkon zu springen.

Am meisten Freude hat Aaron jedoch, wenn es ums Jagen geht. Der ausgebildete Nachsuchenhund freut sich zusammen mit meinem Vater jeweils am meisten auf den Herbst. Dort kann er seinen Instinkten nachgehen und schussverletzte oder erlegene Tiere aufsuchen. Doch manchmal vergisst er, welche Jahreszeiten wir gerade haben.
Die Geschichte dazu: Auf einer kleinen Wanderung zum Lai Raduond (unterhalb Chamanna Cler) hatte es Aaron vor einigen Wochen besonders auf die Murmeltiere abgesehen. Die Leine um seinen Hals machte es ihm aber unmöglich, diese zu jagen. So wanderte er brav neben meiner Mutter, meinem Bruder und mir mit. Als wir zum besagten See gelangt sind, welcher noch von einer dicken Schicht Schnee umrandet war, haben mein Bruder und ich uns zu einem erfrischenden Bad entschlossen – ein folgenschwerer Fehler. Denn Aaron entdeckte einige Meter neben uns einen Dachs, welchen er natürlich jagen musste. Dabei interessierte ihn herzlich wenig, dass er angeleint war: Denn wie es der Zufall wollte, konnte Aaron die Leine mithilfe eines spitzen Steines ruckartig durchtrennen.

Was folgte, war eine regelrechte Schnitzeljagd einen Berg hinauf, welcher von der Steile her dem Aufstieg zum Matterhorn bestimmt im Nichts nachstehen würde. Sein Ziel: Dachs süss-sauer. Unser Ziel: Aaron einfangen – ohne den Dachs. Das haarige Tierchen war ganz schön gerissen: Alle paar Schritte stellte er sich vor Aaron und versuchte ihn mit Gefauchter abzuwimmeln, während der Hund hinter ihm mit seinen dünnen Beinchen jeweils im Schnee versank. Apropos versenken: Sie können sich vorstellen, wie wir drei wenige Meter hinter den zwei Tieren mit dem doch noch zur Genüge vorhandenen Schnee zu kämpfen hatten.
Nach einer guten halben Stunde hatte der Dachs glücklicherweise seinen Unterschlupf gefunden, welcher sich rund 300 Meter oberhalb des Sees befand. Auf dem Rückweg fand Aaron seine drei Herrchen, völlig ausser Atem im Schnee und verlangte von ihnen für seine «gute» Jagdarbeit allen Ernstes noch ein Leckerli.

Jan Schlatter

Jan Schlatter aus Scuol hat seine ersten journalistischen Erfahrungen als Praktikant bei der Engadin Post gemacht. Seitdem versucht er sein berufliches Glück ausserhalb des Tals. Regelmässige Besuche der heimischen Berglandschaft sind bei ihm jedoch fest im Terminkalender verankert. Bei diesen findet man ihn wahrscheinlich auf den Skiern, in Wanderschuhen oder auf dem Curlingfeld.

Neuer Kommentar
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Die E-Mailadresse wird hier nicht veröffentlicht.

0 Kommentare