Oh Schreck - Handy weg!

Neulich im Wald habe ich das Mitgefühl meines Lebens erfahren. Keine Sorge, ich habe mich nicht verletzt. Ich bin nicht an einer Wurzel hängen geblieben und ich bin auch nicht über einen Stein gestolpert. Es war weitaus schlimmer. Ich war als Personal Trainerin mit einer Kundin im Wald unterwegs und wir übten das Lauf ABC ein: Hopserlauf, Anfersen, Skipping- was man nicht alles macht. Wurzeln übersprangen wir leichtfüssig und im Weitsprung-Stil flogen wir auch über die vielen Pfützen. Dort muss es dann irgendwo passiert sein. Das Handy fiel aus der Tasche. Es flog wohl in einem solchen hohen Bogen aus dem Hip-Bag, dass ich es nicht bemerkte. Ich lief einfach weiter. Weil wir so schnell und lustig unterwegs waren, merkte ich rein gar nichts. Mein Hip-Bag ist auch gefüllt mit allerlei Dingen, die man als Trainerin für Outdoor-Trainings so brauchen könnte: Therabänder, 1. Hilfe-Paket, Traubenzucker, Taschentücher usw. – da fällt es vom Gewicht gar nicht so sehr auf, wenn das Handy nicht mehr da ist. Erst als wir wieder am Auto ankamen und sich mein mobiles Telefon nicht automatisch mit dem Bluetooth verband, gefror das Blut in meinen Adern. Das Handy ist weg. Im Rückspiegel sahen mich zwei panisch aufgerissene Augen an und ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Mein Hirn schaltete sofort auf Notfall und pumpte in grossen Schüben Adrenalin in meinen Blutkreislauf. Wann hatte ich das letzte Update gemacht und hatte ich wirklich alle Daten in der Cloud gespeichert oder wollte ich nicht in den letzten Tagen noch ein Speicher-Update machen, um wirklich alles speichern zu können? Oh nein, oh nein, oh nein, oh nein, hörte ich mich immer wieder sagen. Meine Kundin schaute mich derweil erstaunt an und fragte, ob sie mir helfen könne. Die zwei Wörter, die ich noch herausbekam, liessen sie ebenfalls erstarren: «Handy weg». Meine Kundin bot mir sofort ihre Hilfe an. Wir liefen den Weg nochmals ab (für sie ein Extra-Training) und schauten hinter jeden Stein und knickten jeden Grashalm um. Das Erstaunlichste aber war die Reaktion der Wandersleute, die ich auf dem Weg befragte. Mir kam eine grosse Welle des Mitgefühls entgegen und eine imposante Anzahl von teilnehmenden Worten wie: „oh nein“; „um Gottes Willen“; „Wie ärgerlich“; „Hoffentlich findest du es“; „In so einem Handy steckt ja das halbe Leben“. Genau: in einem Handy steckt das halbe Leben. So ein kleiner, flacher, mit elektronischen Daten gefüllter Plastikapparillo hat unser Leben so dermassen im Griff, dass man am liebsten gleich eine Staffel Suchhunde oder einen Helikopter mit Infrarotsuchgerät aussenden möchte, sobald das Ding verloren geht. Nicht, dass ich auf meinem Handy viele Apps nutzen würde. Aber es gibt Menschen, mit denen ich mir auf uraltem Wege reine SMS schreibe (keine i-Message oder Whatsapp), die man nicht in einer Cloud sichern kann. Und während ich mit hochrotem Kopf durch den Wald rannte, rannten mir schon fast Tränen der Traurigkeit über diesen Verlust der Daten über mein verschwitztes Gesicht. Die Wandersleute teilten wiederum meine Traurigkeit und die barmherzigen und aufbauenden Worte waren wie Balsam auf der Seele. Plötzlich erinnerte ich mich auch wieder an den Heiligen Antonius, der Verlorenes wiederfindet. Ich versprach ihm einen hohen Betrag, sollte mein Handy wieder auftauchen. Die Suche im Wald blieb aber erstmal erfolglos. Bis zum späten Nachmittag machte ich mir die grössten Sorgen, wie ich alles neu arrangieren müsste. Ohne mobiles WWW und ohne Telefonie musste mein Hirn nämlich viele Dinge aus alten, längst nicht mehr genutzten Hirnarealen hervorholen. Ich musste plötzlich wieder selber denken! Schade, dass dieser Zustand eigentlich nur ein paar Stunden anhielt. Dann bekam ich nämlich eine E-Mail auf meinen PC, dass ein freudiger Wandersmann mein Handy auf dem Waldweg gefunden hat. Den versprochenen Finderlohn bekam zur Hälfte er. Der Rest ging an den Heiligen Antonius. Und ich? Ich war erleichtert und hocherfreut. Ich meine, es ging wirklich nur um mein Handy. Es war eigentlich nichts Dramatisches passiert. Aber alle, die mir auf dem Wanderweg begegneten, fühlten mit. Und dieses Mitfühlen, diese Anteilnahme kann sehr heilsam sein. Danke!

 


Glücklichsein durchs Duschen allein?

Ich weiss ja nicht, wie es Ihnen geht mit dem Glücklichsein. Ich für meinen Teil bevorzuge Trainingsläufe oder Wanderungen durch die Berge, um nachher auf Wolke Glück zu schweben. Bin ich morgens mit dem falschen Fuss aus dem Bett gekrochen, dann kann ich mit hundertprozentiger Sicherheit auf dieses einfache Mittel zurückgreifen. Natürlich würde ich Ihnen jetzt am liebsten empfehlen, es mir nachzumachen. In meiner langjährigen Tätigkeit als Trainerin, Motivatorin, Antreiberin, Schinderin und Folterknechtin (ja, was ich mir alles anhören muss), weiss ich allerdings, dass nicht alle in den Genuss der körperlichen Leibesertüchtigung kommen wollen oder kommen können. Um Glück zu empfinden, kann man natürlich auch auf andere Methoden zurückgreifen und unter anderem auch ganz passiv konsumieren. Die Produktexperten für den alltäglichen Lebensmittelbedarf haben sich da interessanterweise ein ganzes Sortiment an vielversprechenden und verheissungsvollen Artikeln ausgedacht. Letztens stand ich vor der voluminösen Auswahl an Duschgels und war fasziniert: ich konnte mich entscheiden, ob ich beim Duschen «Glück», «Vitalität», «Lebensfreude» oder «Ruhe und Gelassenheit» erfahren wollte! Na, wenn das mal so einfach ist, dachte ich, und kaufte eine ganze Armada der Produkte. Die Beschreibungen auf den Verpackungen liessen auf einiges hoffen: Von «Hebt die Stimmung nachweislich» über «Lache und die Welt lacht zurück» bis hin zu «Wirkdusche». Solche Aussagen wollen suggerieren, dass allein durch das Benutzen dieser Produkte etwas Positives in uns ausgelöst wird. Dusche nur mit dem richtigen Mittel und du wirst so glücklich, fröhlich und gelassen, dass die Sonne 24 Stunden scheint. Kann denn so etwas funktionieren? Ist das «glücklich-sein» im Prinzip so einfach?

Was wir erwarten oder befürchten, neigt dazu, wahr zu werden. Im Fachjargon nennt man dieses Phänomen die «Selbsterfüllende Prophezeiung». Das heisst, unsere Erwartungen beeinflussen unser Verhalten. Es gibt da ein schönes Experiment: Versuchspersonen wurden Bildern von Menschen gezeigt, die sie anschliessend in die Kategorie «sympathisch» und «unsympathisch» einordnen sollten. Im Anschluss teilte man den Probanden mit, sie würden am Telefon nun mit den Personen sprechen, die sie als «sympathisch» kategorisiert hatten. Eine andere Gruppe sollte mit den Personen sprechen, die sie als «unsympathisch» eingestuft hatten. Diejenigen, die ihren Gesprächspartner zuvor «sympathisch» empfanden, verhielten sich freundlicher, lebhaften und in einer wohlwollenden Art. Diejenigen, die glaubten, sie hätten an der anderen Leitung den unsympathischen Menschen, verhielten sich kühl, abweisend und desinteressiert. Nun fragen Sie sich doch mal, wie Sie reagieren, wenn Ihnen jemand kühl, reserviert und arrogant begegnet! Die meisten von uns werden ebenfalls abwertend und kühl reagieren. Menschen reagieren dann oft mit dem Satz «Ich hab’s ja kommen sehen», oder «Ich wusste ja schon immer, dass er/sie etwas gegen mich hat». Es erfüllt sich das, was wir erwarten. Wenn ich also erwarte, dass mich das Duschen mit dem Duschgel «Glücklich sein» fröhlich stimmt, dann tritt das auch ein? Mit diesem Gedanken stehe ich täglich unter der Brause und muss schon beim Anblick dieses Produktes herzhaft lachen! Das Leben kann wirklich – auch ohne Bewegung- so einfach glücklichsein…

 

Mein Musiktipp: www.youtube.com/watch

 


Kopfkino dank Corona

Foto: Daniel Zaugg

In Zeiten der Krise ist unser Kopf ganz besonders gefordert. Doch mit Hilfe der "Visualisierung" können wir uns jegliche Situationen auch einfach nur vorstellen, ohne sie real zu erleben! Ob das möglich ist?


Lasst die Muskeln spielen!

Wussten Sie eigentlich, dass unser Körper von über 656 Muskeln gehalten, getragen und bewegt wird? Wir können dadurch laufen, liegen, lachen, schlafen und die grossen Abenteuer des Alltags erleben. Manche Muskeln lassen sich auch nicht bewusst bewegen, wie etwa der Herzmuskel. Ich kann meinem Herzen ja nicht willentlich befehlen, dass es für die nächste Minute mal nicht schlagen soll. Meinen Fingern kann ich aber die Befehle geben, sich möglichst schnell über die Tastatur zu bewegen, so dass ich diesen Text hier schreiben kann. Solange alles funktioniert, braucht man sich auch keine Gedanken zu machen. Muskeln bekommen leider erst dann eine übergeordnete Funktion, wenn sie zu schwach werden und Bewegungen unmöglich machen. Alle, die schon mal vom Schuss einer Hexe getroffen und sich in Sekundenbruchteilen in ein kriechendes Etwas auf allen Vieren verwandelt haben, wissen, was ich meine. Die Muskulatur, als schützendes und stabilisierendes Korsett, versteift und macht Bewegungen unmöglich. In diesem Moment denkt man dann wahrscheinlich an die vielen Vorsätze, die man sich zum Jahresanfang gesetzt hat. Und wie durch magische Hände ist die Zeit ja schon wieder so schnell vergangen und der Vorsatz ist mit der kürzlichen Schneeschmelze im Toten Meer abgesoffen. Dabei bietet Krafttraining so unendliche Vorteile!

Muskeln machen schön und schlank, denn: Wer Muskeln aufbaut, hat einen schnelleren Stoffwechsel und verbrennt dadurch mehr Zucker. Dazu eine kurze Quizfrage: Fiat Panda und Porsche stehen im Leerlauf an der Ampel: Welches Auto verbrennt mehr Energie? Natürlich der Porsche, weil dieser viel mehr Kraft unter der Haube hat. Wer mehr Muskeln hat, verbrennt also auch abends auf dem Sofa mehr Kalorien!

Muskeltraining kennt auch kein Alter. Wissenschaftler untersuchten in einer Studie mit 65-jährigen Männern (für Frauen gilt das auch!) die Auswirkungen von Krafttraining im Alter. Die Gruppe, die die in diesen zählt Jahren kein Training machte, verlor 24 Prozent der Maximalkraft des Kniestreckers (Quadriceps) und der Querschnitt verringerte sich um 16 Prozent. In einer anderen Studie konnte festgestellt werden, dass bereits ein zwölfwöchiges Krafttraining mit submaximalen Intensitäten einen Gewinn der Maximalkraft von 16 Prozent ergab. Man muss jetzt wirklich kein Mathegenie sein um auszurechnen, was das Training bewirkt. Die Geniebegabung kommt höchstens zum Einsatz, wenn es darum geht, mit dem Training zu starten. Und hier liegt oft der Hund begraben. Sie müssen jetzt nicht gleich zu Arnold Schwarzenegger oder Tamara Press mutieren. Ein Krafttraining kann man super easy in den Alltag einbauen. Zehn Liegestütz am Abend und zwanzig Kniebeugen am Morgen. Ein paar Turnübungen im Büro, ein bisschen Treppensteigen auf dem Heimweg und hier und da mal eine Parkbank als Trainingsgerät umfunktionieren. Mit Muskeln haben Winkearme, Hängehintern, Fettschürzen und Orangenhaut nämlich keine Chance. Ran an den Speck und auf die Plätze, fertig los! Neue Vorsätze kann man auch im Februar noch machen!

Mein Trainingstipp: www.youtube.com/watch