Sind die Italiener die besseren Schweizer?

Sightseeing mit Masken: Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, kommt in Venedig die Maske zum Einsatz, auch im Freien. Foto: Samuel Bossart

Die dramatischen Erfahrungen in Norditalien mit dem Corona-Virus haben eine derart nachhaltige Wirkung, dass niemand mehr ohne Mund- und Nasenschutz in einen Laden geht oder ein öffentliches Verkehrsmittel besteigt. Und in der Schweiz?


Oh Schreck - Handy weg!

Neulich im Wald habe ich das Mitgefühl meines Lebens erfahren. Keine Sorge, ich habe mich nicht verletzt. Ich bin nicht an einer Wurzel hängen geblieben und ich bin auch nicht über einen Stein gestolpert. Es war weitaus schlimmer. Ich war als Personal Trainerin mit einer Kundin im Wald unterwegs und wir übten das Lauf ABC ein: Hopserlauf, Anfersen, Skipping- was man nicht alles macht. Wurzeln übersprangen wir leichtfüssig und im Weitsprung-Stil flogen wir auch über die vielen Pfützen. Dort muss es dann irgendwo passiert sein. Das Handy fiel aus der Tasche. Es flog wohl in einem solchen hohen Bogen aus dem Hip-Bag, dass ich es nicht bemerkte. Ich lief einfach weiter. Weil wir so schnell und lustig unterwegs waren, merkte ich rein gar nichts. Mein Hip-Bag ist auch gefüllt mit allerlei Dingen, die man als Trainerin für Outdoor-Trainings so brauchen könnte: Therabänder, 1. Hilfe-Paket, Traubenzucker, Taschentücher usw. – da fällt es vom Gewicht gar nicht so sehr auf, wenn das Handy nicht mehr da ist. Erst als wir wieder am Auto ankamen und sich mein mobiles Telefon nicht automatisch mit dem Bluetooth verband, gefror das Blut in meinen Adern. Das Handy ist weg. Im Rückspiegel sahen mich zwei panisch aufgerissene Augen an und ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Mein Hirn schaltete sofort auf Notfall und pumpte in grossen Schüben Adrenalin in meinen Blutkreislauf. Wann hatte ich das letzte Update gemacht und hatte ich wirklich alle Daten in der Cloud gespeichert oder wollte ich nicht in den letzten Tagen noch ein Speicher-Update machen, um wirklich alles speichern zu können? Oh nein, oh nein, oh nein, oh nein, hörte ich mich immer wieder sagen. Meine Kundin schaute mich derweil erstaunt an und fragte, ob sie mir helfen könne. Die zwei Wörter, die ich noch herausbekam, liessen sie ebenfalls erstarren: «Handy weg». Meine Kundin bot mir sofort ihre Hilfe an. Wir liefen den Weg nochmals ab (für sie ein Extra-Training) und schauten hinter jeden Stein und knickten jeden Grashalm um. Das Erstaunlichste aber war die Reaktion der Wandersleute, die ich auf dem Weg befragte. Mir kam eine grosse Welle des Mitgefühls entgegen und eine imposante Anzahl von teilnehmenden Worten wie: „oh nein“; „um Gottes Willen“; „Wie ärgerlich“; „Hoffentlich findest du es“; „In so einem Handy steckt ja das halbe Leben“. Genau: in einem Handy steckt das halbe Leben. So ein kleiner, flacher, mit elektronischen Daten gefüllter Plastikapparillo hat unser Leben so dermassen im Griff, dass man am liebsten gleich eine Staffel Suchhunde oder einen Helikopter mit Infrarotsuchgerät aussenden möchte, sobald das Ding verloren geht. Nicht, dass ich auf meinem Handy viele Apps nutzen würde. Aber es gibt Menschen, mit denen ich mir auf uraltem Wege reine SMS schreibe (keine i-Message oder Whatsapp), die man nicht in einer Cloud sichern kann. Und während ich mit hochrotem Kopf durch den Wald rannte, rannten mir schon fast Tränen der Traurigkeit über diesen Verlust der Daten über mein verschwitztes Gesicht. Die Wandersleute teilten wiederum meine Traurigkeit und die barmherzigen und aufbauenden Worte waren wie Balsam auf der Seele. Plötzlich erinnerte ich mich auch wieder an den Heiligen Antonius, der Verlorenes wiederfindet. Ich versprach ihm einen hohen Betrag, sollte mein Handy wieder auftauchen. Die Suche im Wald blieb aber erstmal erfolglos. Bis zum späten Nachmittag machte ich mir die grössten Sorgen, wie ich alles neu arrangieren müsste. Ohne mobiles WWW und ohne Telefonie musste mein Hirn nämlich viele Dinge aus alten, längst nicht mehr genutzten Hirnarealen hervorholen. Ich musste plötzlich wieder selber denken! Schade, dass dieser Zustand eigentlich nur ein paar Stunden anhielt. Dann bekam ich nämlich eine E-Mail auf meinen PC, dass ein freudiger Wandersmann mein Handy auf dem Waldweg gefunden hat. Den versprochenen Finderlohn bekam zur Hälfte er. Der Rest ging an den Heiligen Antonius. Und ich? Ich war erleichtert und hocherfreut. Ich meine, es ging wirklich nur um mein Handy. Es war eigentlich nichts Dramatisches passiert. Aber alle, die mir auf dem Wanderweg begegneten, fühlten mit. Und dieses Mitfühlen, diese Anteilnahme kann sehr heilsam sein. Danke!

 


Mensch jagt Hund jagt Dachs

Mein Hund Aaron hält unsere Familien seit über 10 Jahren auf Trab. Als kleinen Welpen haben wir ihn im Juni 2009 bei uns aufgenommen. Seitdem verhält er sich manchmal wie eine Katze – und bringt Mäuse nach Hause, oder wie ein Vogel – und versucht – angeleint – von unserem Balkon zu springen.