Das neue 30

Foto: Romana Ganzoni

Die halbe Stunde Wartezeit in St. Margrethen ist für unsere Bloggerin, Romana Ganzoni, die Zeit, in der sie im hippsten Restaurant der ganzen Schweiz, ja sogar von ganz Europa absteigt: dem Pöstli-Snack.


Umknicken oder stehen bleiben?

Umknicken oder Stehenbleiben?

Als ich nach dem letzten Sturm durch die Wälder des Engadins auf meinen Trainingsstrecken unterwegs war, war ich erstaunt und erschrocken zugleich, was dieser Orkan angerichtet hatte. Bäume lagen entwurzelt kreuz und quer im Wald umher und versperrten mir teilweise den Weg. 


Heute im Bunker

Bild: Carla Sabato

Perspektivenwechsel sorgen gerne mal für überraschende Blickwinkel. Ist der Perspektivenwechsel aber unterirdisch gemeint und findet der vielleicht sogar unter Ausschluss des Tageslichtes statt, dann können sich manchmal auch beunruhigende Gedanken ins Bewusstsein schleichen. 


«Exgüsi», wie wird man Profisportler?

Das Ergebnis von harter Arbeit und vielem Training: die Gratulationen im Ziel nach einem erfolgreichen Rennen. Foto: z. Vfg

Was macht einen Profisportler beziehungsweise eine Profisportlerin aus? Sind es viele Sponsoren, das intensive und tägliche Training oder doch Mama und Papa, die eine Sportkarriere finanziell und mit ganz viel Engagement unterstützen?


Heiliger Mist

In Indien ist vieles eine Frage der Perspektive – sogar Exkremente sind nicht einfach wertlos.  Und Umweltverschmutzung kann göttlich sein. 

Wir nennen sie Berta. Obwohl wir wissen, dass sie mit Bestimmtheit so nicht heisst. Berta ist eine Kuh und wohnt ganz in der Nähe von uns, mitten in der Millionenstadt Mumbai. Wir sehen Berta praktisch jeden Tag auf dem Weg zur Schule. Mit einem Strick um den Hals kaut sie, vor einem Tempel auf dem Asphalt liegend, ihre Gräser wieder. Gräser? Gräser! Ihre Besitzerin sitzt neben Berta, ebenfalls auf dem nackten Asphalt und bietet Grasbündel feil, welche die Passanten für umgerechnet ein paar Rappen kaufen und dann der Kuh hinwerfen. Dabei bekommt Berta auch noch ein paar Streicheleinheiten. Manchmal füttern die Frauen und Männer auf ihrem Weg ins Büro Berta auch einen Brei aus Korn und Wasser. Das bringt Glück und Segen.

Berta ist eine von zig Millionen von Kühen in Indien. Und Berta ist heilig. Wie alle Kühe. Sie gibt Milch, Dung für das Feuern und den Häuserbau. Sogar ihr Urin ist heilsbringend. Die Kuhpisse wird auch als Getränk angeboten: Gau Jal, heisst ein Softdrink aus Kuhurin, Kräutern und weiteren Zutaten und wird auf Amazon verkauft. Die Kuh soll die Mutter des Universums sein – das glauben die Hindus. Und wer ein solches Vieh füttert, anbetet oder seinen Urin trinkt, verehrt damit auch Gott Krishna. 

Die Hindus feiern viele Götter – und vor allem feiern sie gerne ausführlich: Kürzlich war Ganesha, der Gott mit dem Elefantenrüssel, dran. Er ist einer der populärsten in Mumbai. Tagelang wurde getrommelt, mit lautem Singsang gebetet und gefeiert. Praktisch jedes Haus baute einen prächtigen Schrein. In unserem Haus leerte der Hauswart seinen Geräteschuppen, um für die Gottesfigur und die Opfergaben Platz zu machen. Es wurden Räucherstäbchen gezündet und  nach einigen Tagen begleitet eine fröhlich-laute Prozession die ganze Installation zum Meer. Der Gott aus Plastik plus Holzgestell, Blumenvasen und Opfergaben wurden ins Wasser gekippt. Nicht nur unser. Tausendfach. Am letzten Tag der über einer Woche lang dauernden Festivalperiode versammelten sich Zehntausende am bekanntesten Strand von Mumbai: dem Chowpatty Beach. Wir haben das Spektakel aus der Ferne beobachtet. Hunderte von mannshohen Ganesha-Figuren schaukelten auf den Wellen.  

Als ich am anderen Tag meinen Morgenlauf entlang dem Strand anfing, glaubte ich mich auf einem Schlachtfeld oder im Nachgang eines Wirbelsturms: Überall ragten Teile aus Holz aus dem Meer, dort ein überdimensionaler Götterarm aus Plastik, da ein Wagenrad. Ein Bagger stiess die Götterwracks weiter ins Meer hinein. Am Mittag war die Katastrophe etwas weniger sichtbar: Die Flut hat bereits viele Trümmer in den Ozean geschwemmt.

Im Treppenhaus warnte mich meine Nachbarin, ich solle in den nächsten vier, fünf Wochen keinen Fisch essen. Die Ganesha-Feierlichkeiten würden jedes Jahr ein Massenfischsterben auslösen. Die, welche überlebten, seien stark belastet. Vor allem von den Farben, mit denen die Ganesha-Götter bemalt sind. 

Sie fand das alles wenig schlimm – es geschehe ja im Namen Gottes, so müssen man das sehen, sagte die pensionierte Akademikerin. Wirklich eine Frage der Perspektive also?

Nein, also wirklich!


People of Engadine: Der Promi

Bild: Dominik Brülisauer

Die Geografie formt den Menschen. Und weil das Engadin eine spektakuläre Landschaft ist, ist es nur logisch, dass auch seine Bewohner alles andere als Langweiler sind. Die wichtigsten Typen möchte ich in meinem Blog vorstellen. Meine aktuelle Studie widme ich den Promis.